Auf ein Wort Es ist wie in einem Trainingslager
Stand: 16. März 2025.
Es ist wie in einem Trainingslager
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Beim Vergleich Fußball und Glauben hat Diakon Klaus Elfert so manche Gemeinsamkeiten entdeckt. Zum Beispiel den Kult und die Identifizierung.
Ich bin bekennender Schalke-Fan – und klar: mit Blau-Weiß bin ich hier in Bremen und Umzu eigentlich falsch, das weiß ich. Was aber die Blau-Weißen und die Grün-Weißen gerade eint, sind die oft schlechten Leistungen der Spieler, der hintere Tabellenplatz und das Bejammern verpatzter Chancen. Und doch pilgern jedes zweite Wochenende 40.000 bis 60.000 Menschen ins Weser-Station und die Veltins-Arena.
Wir Fans sind fasziniert vom Spiel – trotz einiger Enttäuschungen. Wir spüren die große Gemeinschaft, und manchmal sind wir euphorisch, auch wenn der Tabellenplatz eigentlich für was anderes spricht. Für viele Fans – für mich auch – ist jedes Heimspiel ein neues Stück Kult, Identifizierung, Hochgefühl, Demonstration.
Und wenn ich das so beschreibe, dann denke ich: Einiges passt auch zu meiner Kirche, zu uns Glaubenden. Ja, wir mobilisieren in diesen Zeiten nicht gerade die Massen, das stimmt. Aber sonntags treffe ich viele Menschen, für die der Gottesdienst und das Gebet sehr wichtig sind.
Da singen wir dann moderne Lieder und grölen keine Fangesänge, wir sitzen auf gepolsterten Kirchenbänken und nicht im Stehrang, riechen den Weihrauch und nicht die Pyrotechnik. Vieles gleicht sich, anderes ist anders. Für viele ist Fußball auch Religion, und der Fußballgott manchmal parteiisch oder einem Verein zugehörig.
Und jetzt, in der Fastenzeit oder besser: der Vorbereitungszeit auf Ostern, fühle ich mich wie im Trainingslager. Am Ende steht das Fest der Auferstehung. Jetzt, in den Wochen davor, können wir das eine oder andere selbstkritisch in den Blick nehmen. Wir können innehalten, unsere Sinne neu schärfen.
Ich denke nach über mein Leben, meinen Glauben, meine Beziehung zu anderen, und – freue mich hoffentlich bald über einen besseren Tabellenplatz bei meinem Lieblingsverein.